Mittwoch, 2. September 2015

徐慧嵐 oder meine erste Woche

Hallo an alle :)

Ich habe das Gefühl in meiner ersten Woche hier schon so viel erlebt zu haben, wie zu Hause in drei Monaten. Ich glaube, dass liegt daran, dass selbst alltägliche Dinge in Taiwan so anders sind, dass sie sich aufregend anfühlen. Zum Beispiel das Essen, die meiste Zeit habe ich keine Ahnung was ich gerade esse und ich habe inzwischen aufgegeben nach dem Namen zu fragen, da ich meistens weder das chinesische noch das englische Wort für die taiwanesischen Speisen kenne (das deutsche vermutlich genauso wenig ;)) Auch die Art des Essen ist sehr anders. Statt eines Hauptgerichts gibt es viele kleine Gerichte und jeder nimmt sich davon. Am Anfang war es ein bisschen schwer für mich mein Essen auf Stäbchen von einer Schale zur anderen zu transportieren ohne auf halben Weg die Hälfte auf dem Tischtuch verteilt zu haben, aber mittlerweile gelingt mir das schon ganz gut ^^ Außerdem ist es zumindest in meiner Familie so, dass die Mahlzeiten nicht so geregelt ablaufen wie ich das gewohnt bin (was aber nichts schlechtes ist!). Man kann sich hinsetzen wenn man hungrig ist oder ein bisschen später, die Mahlzeit unterbrechen oder zwischendurch zum Kühlschrank gehen, um sich etwas süßes zu holen und dann weiter Bambus-Fischsuppe zu essen. Dass das Essen dabei kalt wird scheint niemanden zu stören und geteilt wird sowieso immer, egal ob man zu Hause oder in einem Restaurant ist. Hier ein paar Bilder:
So sieht das Mittagessen und das Abendessen aus
Und so in einem "westlichen" Restaurant - das ist quasi das Äquivalent zu unseren Chinarestaurants
Auf persönlichen Wunsch hier noch ein Bild meines Frühstücks


An meinem zweiten Tag hier habe ich übrigens auch meinen chinesischen Namen bekommen. 徐慧嵐 (Xu Hui Lan), 慧 bedeutet Weisheit, 嵐 Nebel und 徐 ist der Nachname meiner Gastfamilie. Trotz meines nagelneuen Namens werde ich aber bis jetzt von allen nur Marlies genannt (meine Gastschwester hat es sogar geschafft meinen Nachnamen auszusprechen^^).

Ein Highlight der letzten Tage war auf jeden Fall das Treffen mit Viola. Für alle die es nicht wissen, Viola ist die Austauschschülerin, die letztes Jahr sechs Monate bei meiner Familie gewohnt hat. Es war so schön sie in Taiwan wiederzusehen, genauso wie das Gefühl schon jemanden zu kennen in dem fremden Land. Außerdem hat sie mich ihrer Freundin vorgestellt und nachdem Abendessen sind wir gemeinsam in einen großen Buchladen gegangen. Ich habe zum ersten Mal so viele chinesische Bücher gesehen und musste natürlich Fotos machen (sehr zur Belustigung von Viola und ihrer Freundin). 
Der chinesische Harry Potter *-*
Später konnte ich noch Violas ganze Familie kennenlernen und als sie mich nach Hause gefahren haben, hat sie mein Gastvater noch kurz in die Wohnung eingeladen. 
Im Allgemeinen sind die Menschen hier sehr gastfreundlich und hilfsbereit. Es hat schon ausgereicht in der UBahn-Station ein wenig verwirrt dreinzuschauen und schon ist ein Mitarbeiter auf mich zugekommen, hat mich gefragt wohin ich muss und mich dann den ganzen Weg bis zur richtigen Linie begleitet. Vielleicht ist das aber auch so etwas wie ein Ausländerbonus - ich habe schon das Gefühl, hier ziemlich aufzufallen, was manchmal ein wenig unangenehm ist. Nach meiner Vorstellung im Rotary-Club am Donnerstag zu der ich mein Dirndel angezogen hatte, ist mein Gastvater noch schnell in eine Werkstatt gefahren, um einen Ölwechsel vornehmen zu lassen. Also habe ich mein Dirndel gerafft, damit es nicht über den dreckigen Boden schleift und mich ins Wartezimmer gesetzt. Dort hat ein junger Mann eine Zeitung gelesen und als er aufgeblickt und mich gesehen hat - so österreichisch aussehend wie eigentlich nur möglich - hat er absolut entgeistert gewirkt. Ich bin mir dabei ein wenig komisch vorgekommen, im Nachhinein betrachtet finde ich es aber ziemlich lustig :)
Vickie probiert begeistert mein Dirndel an^^

Sehr taiwanesisch ist auch die Lust am Fotografieren. Mir ist das schon vor meiner Abreise aufgefallen, als ich gesehen habe, was meine Gastfamilie so alles auf Facebook postet, doch seit ich hier bin, scheint mir an jeder Ecke der berühmt-berüchtigte Selfie-Stick zu begegnen. Am Dienstag hat mich meine Gastschwester gefragt, ob ich mit ihren Freunden in eine Pixels-Ausstellung gehen wolle, ich habe natürlich ja gesagt, im Glauben ein Museum über moderne Filmegeschichte (oder sowas in der Art ;)) zu besuchen. Es hat sich aber herausgestellt, dass die Austellung nur aus einer handvoll lebensgroßer Trickfilmfiguren aus Filmen wie "Monster AG" oder "Toy Story" besteht um die sich ein Haufen Menschen drängen, um Fotos zu machen. Nachdem ich meine anfängliche Verwirrung und die Tatsache, dass ich immer jemanden im Weg gestanden habe, überwunden hatte, habe ich mich aber schnell angepasst und es hat viel Spaß gemacht. 

Ein schöner Abschluss der Woche, was die zweitägige Orientation mit den anderen Austauschschülerin in Yilan. Stellt euch 63 Jugendliche aus der ganzen Welt, die Türme aus Marshmallows und Spaghetti bauen, "Capture the Flag" spielen, im Regen grillen und chinesische Schriftzeichen aus Behältern mit Mehl fischen, was natürlich in eine gnadenlose Mehlschlacht ausartet und schon wisst ihr, wie sie eine Orientation abläuft. Und äh, Unterricht hatten wir auch, aber das war ohnehin eher nebensächlich ;)
Zàijiàn ihr alle (ich hab übrigens zu meiner Enttäuschung herausgefunden, dass Taiwanesen gar nicht zàijiàn sagen, sondern schlicht "Bye bye") - also bye bye! 

Donnerstag, 27. August 2015

在臺灣 oder Ankunft in Taiwan

Nǐhǎo an alle!

Die Klimaanlage summt über mir während ich hier sitze und meinen ersten Blogeintrag aus Taiwan verfasse, aus dem Wohnzimmer dringt chinesisches Fernsehen an mein Ohr  und es riecht ein wenig nach Pfefferminz, wegen des Moskitoschutzmittels, das ich aufgetragen habe.
Schon fast eine Woche ist es jetzt her seit ich in den Flieger gestiegen und mich ins mehr als 9000 Kilometer entfernte Taipei aufgemacht habe. Was ich bisher erlebt habe und die Eindrücke, die ich gesammelt habe sind so zahlreich, dass es mir schwerfallen wird sie alle hier festzuhalten und mit euch zu Teilen. Aber ich werde versuchen am Anfang zu beginnen.
Am Ende eines 12-stündigen Flugs, als gleichzeitig meine Müdigkeit und meine Nervosität ihren Zenit erreicht haben war an Schlaf nicht mehr zu denken gewesen. Ich bin froh am Fenster gesessen zu sein, denn sonst wäre mir wohl der erste Blick aus dem Flugzeug auf mein Gastland entgangen. Es heißt, als die Portugiesen das erste Mal mit dem Schiff auf Taiwan landeten, waren sie überwältigt von der Schönheit und tauften die Insel deshalb "Ilha Formosa" - die schöne Insel. Nachdem Anblick von Taiwan, das mit seinen nebelverhangenen Bergen im Licht der aufgehenden Sonne am Horizont auftaucht, kann ich diesen Beinamen nun noch besser nachvollziehen, als zuvor. Und als das Flugzeug endlich gelandet war, konnte ich mit den anderen Austauschschülern jubeln - wir waren endlich in Taiwan!
Nachdem wir die Immigration Card ausgefüllt und unsere Koffer geholt hatte kam dann auch gleich der nächste große Moment: Das erste Zusammentreffen mit unseren Gastfamilien. Ich wurde von allen dreien empfangen mit einem großen Plakat auf dem mein Name stand und "Welcome in Taiwan!" - ich glaube, mehr willkommen kann man sich gar nicht fühlen :). Alle haben sich vorgestellt, mir wurden gleich drei verschiedene Visitenkarten gereicht und ich hatte meine eigenen natürlich im Koffer gelassen; dann bin ich auch schon zu Cecilia, meiner ersten Gastmutter ins Auto gestiegen und wir sind zu ihrem Haus gefahren.

Obwohl ich natürlich über das Klima in Taiwan gelesen hatte, hat mich die schwüle Hitze doch ein wenig unerwartet getroffen. Es fühlt sich ein bisschen so an, als würde man sich in einem tropischen Garten befinden, nur ist die Hitze von einer Art, die auf die Lunge zu drücken scheint. Das Auto war allerdings klimatisiert und der kalte Wind der ständig auf meine Stirn geblasen hat, zusammen mit meiner Müdigkeit und all den neuen Eindrücken, die auf mich eingeströmt sind, haben dafür gesorgt, dass mir leicht schwindelig geworden ist.
Ich war überwältigt von Taipei, der Stadt, in der ich von jetzt an wohnen würde - sie war soviel grüner als ich gedacht hatte! Umgeben von dich bewaldeten Bergen ragen Hochhäuser in den Himmel, manche davon ein wenig heruntergekommen, alle aber bestimmt nicht älter als fünfzig Jahre und chinesische Schriftzeichen, die ich zuvor nur von den Seiten meiner Bücher gekannt habe, drohen mich nun an jeder Ecke zu erschlagen, sie sind bunt, manchmal grell, verlieren aber nie ihre Schönheit und den Charm, der in ihrer Jahrtausenden alten Geschichte begründet liegt. Es war eine gute Art des Überwältigt-Seins.
Meine Gastmutter hat sich hundert mal für Dinge entschuldigt, die mir nicht einmal aufgefallen sind und schon nach der fünfzig minütigen Fahrt hatte ich sie gern. Zu Hause habe ich dann erstmal Xiao Bu Dian kennengelernt, den Hund der Familie (sein englischer Name ist übrigens passenderweise "Tiny"). Im Laufe des Tages, der von einem kurzen Nickerchen auf meiner Bambusmatratze (die erstaunlicherweise sehr bequem ist), habe ich dann die anderen Familienmitglieder kennengelernt. Vickie ist 19 Jahre alt und studiert bereits, Graze, 17, hat diese Jahr den wichtigsten Test ihres Lebens, der entscheidet in welche Universität sie gehen kann, Joshua, 13 und zweifellos das Lieblingsherrchen von Xiao Bu Dian, sowie Gastvater Vincent, der genauso wie meine Gastmutter als Zahnarzt arbeitet. Sie wohnen in einem Haus mit sechs Stockwerken, was aber nicht so groß ist wie es klingt, da in jedem Stockwerk nur zwei Zimmer sind. Es ist also ein hohes schmales Gebäude mit ganz vielen hölzernen Treppenstufen und PlastikPlastikkronleuchtern und Plakaten einer alten Kunstausstellung „Monet bis Picasso“.  Mein Lieblingsstück ist aber der Bilderrahmen mit den zwei chinesischen Schriftzeichen das über dem Schreibtisch in meinem Zimmer hängt. Nach einem Spaziergang durch den nahen Dahu-Park,  in dem weiße Vögel auf langen schwarzen Beinchen herumstaksen und einem nächtlichen mit Xiao Bu Dian, endete einer der anstrengendsten und schönsten Tage meines Lebens auf der Bambusmatratze, die ich schon von meinem Schläfchen am Vormittag liebgewonnen hatte.

Der wunderschoene Dahu-Park:

Hier noch ein paar Bilder von meiner Gastfamilie:
Meine Gastschwester Vickie

Mein Gastvater
Gastmutter mit selbstgemachten Palatschinken ;)
Joshua und Grace

Dienstag, 11. August 2015

十日 oder der Countdown hat begonnen

"It's the final countdown ..da daaa daa". Wer von euch hat jetzt widerstehen können diese Lied innerlich mitzusummen? In all der Aufregung der letzten Tage, in der Hektik der Vorbereitungen, von einem Abschied zum nächsten hetzend, hätte ich ihn fast verschlafen, den Countdown, den Beginn dieser letzen zehn Tage bevor ich am 21. August in Taipei aus dem Flieger steigen werde.
Schon als ich mich damals, vor über einem Jahr dazu entschlossen habe, ein Auslandsjahr zu machen, habe ich gewusst, dass ich nicht davon gehen würde können ohne noch einige Male zurück zu schauen. Das mir der Abschied nicht leicht fallen würde, davon war ich überzeugt gewesen.Und jetzt? Jetzt, da nur noch so überschaubare zehn Tage zwischen mir und meiner Abreise liegen, scheinen sich eben diese zehn Tage aufzublähen, zu einer Masse an Zeit, so groß, dass es unvorstellbar erscheint, sie könnte je vergehen. Ich weiß nicht, ob es Vorfreude oder Verleugnung ist, die diese Illusion bewirken, was ich weiß ist, dass ich mich nicht viel anders fühle, als vor zehn Monate.
Doch langsam häufen sich die Momente der Klarheit, wenn man das so nennen kann. Momente, in denen mir die Ausmaße eines ganzen Jahres im Vergleich zu den verbliebenen zehn Tagen in meiner Heimat tatsächlich vollständig bewusst wird. Das Gefühl, von dem diese Momente begleitet werden, ist ein .. ungeheuerliches, ja, ich glaube, das ist das richtige Wort.
Vermischt mit der immer noch ungebrochenen Vorfreude auf dieses Jahr, mein Jahr, ergibt das jene merkwürdige Stimmung in der ich mich gerade befinde und die zu diesem Text geführt hat.

Ich wünsch euch allen einen ganz schönen Abend!

Zàijiàn,
Marlies

Montag, 27. April 2015

漢語 oder die einfachste und schwierigste Sprache der Welt

"C'est du chinois!" - was auf Deuscht soviel wie "Ich versteh nur Bahnhof" bedeutet, heißt  wörtlich übersetzt "Das ist Chinesisch!" oder "Das kommt mir Chinesisch vor!" und ist eine Phrase die in Frankreich verwendet wird, wenn etwas unverständlich erscheint. Auch wenn es darum geht die schwierigste Sprache der Welt zu finden, führt Mandarin häufig das Ranking an, je nach Laune des Verfassers mal vor oder mal hinter dem Japanischen.
Chinesen und Taiwanesen selbst haben viele Namen für ihre Sprache 中文 (Sprache des Reichs der Mitte), 漢語 (Sprache des Volks der Han) oder sehr poetisch 花語 (Blumensprache). Mandarin Chinesisch ist die offizielle Sprache in China Singapur und natürlich Taiwan. Mit 845 Mio. Muttersprachlern ist es außerdem die meistgesprochene Sprache der Welt.
Das meiner Meinung nach, interessante an Chinesisch ist, dass es sich völlig von europäischen Sprachen unterscheidet. Beispielsweise bestehen Wörter aus einer oder mehreren Silben von denen es allerdings nur eine begrenzte Anzahl gibt. Um trotzdem nicht in seiner Wortwahl eingeschränkt zu sein, werden die Silben in fünf verschiedenen Tönen ausgesprochen und so Bedeutung unterschieden.

Was der chinesischen Sprache an Silben fehlt, macht sie mit ihren Schriftzeichen wieder mehr als wett. Insgesamt gibt es schätzungsweise 50.000 verschiedene Zeichen, aber nur etwas 20.000 werden auch von Wörterbüchern aufgelistet und sind daher noch in Gebrauch. Ein Muttersprachler kann ungefähr 8.000 Zeichen lesen und schreiben, um beispielsweise eine Zeitung lesen zu können, muss man 2.000 bis 3.000 beherrschen.

Volksschüler in China und Taiwan verbringen etwa vier Jahre damit Schreiben zu lernen. Deshalb habe ich beschlossen, mich erstmal auf das Sprechen und Lesen der Zeichen zu konzentrieren, das reicht schon aus um zumindest am Computer und Handy auf Chinesisch schreiben zu können, weil man einfach nur die Lautschrift eintippen muss. Das sieht dann in etwas so aus: 
Was ihr hier seht ist Zhuyin oder Bopomofo und ist eine Lautschrift die in Taiwan verwendet wird. Weit gebräuchlicher ist allerdings Pinyin, die romanisierte Version der Chinesischen Sprache, die vor allem in China und von Ausländern verwendet wird. Im Grunde wird dabei einfach jedem Buchstaben unseres Lateinischen Alphabets ein Chinesischer Laut zugeordnet, wobei Pinyin im Allgemeinen als nicht so akkurat gilt wie Bopomofo. 

Ist Chinesisch also wirklich so schwierig wie es den Anschein hat? Ja und nein, denn die Schriftzeichen sind nicht nur wunderschön, sondern haben auch einen unschätzbaren Vorteil: Sie lassen weder Konjugation noch Deklination zu! Die Wörter bleiben also gleich, egal in welcher Zeit oder Person sie stehen. Auch wenn die chinesische Grammatik einige Tücken hat, so ist sie im allgemeinen doch wesentlich einfacher als die romanischer, wenn nicht sogar sämtlicher Sprachen. 

Mir persönlich gefällt am Chinesischen neben den Jahrhunderten alten  Schriftzeichen und dem durchaus logischem Aufbau besonders der Klang dieser Sprache. Und wer jetzt den Kopf schüttelt und meint Chinesisch klinge nur wir "Tsching, tschang, tschong", dem lege ich dieses Video ans Herz (und allen anderen natürlich auch): 


Freitag, 6. Februar 2015

信息 oder Steckbrief Taiwan

Das Zeichen 信息 xìnxī bedeutet "Information" und deshalb sind hier noch mal ein paar allgemeine Informationen über mein Gastland übersichtlich zusammengefasst. :)

Offizieller Name: Republik China auf Taiwan
Staatsform: Demokratie
Amtssprache: Chinesisch (Mandarin), zusätzlich werden noch einige Nationalsprachen wie Taiwanesisch gesprochen.
Hauptstadt: Taipeh
Währung: Neuer Taiwan-Dollar NT$
Fläche: 36.179 km²
Einwohner: 23.300.000
Flagge: 

喜歡 oder Interessantes

Hier finden sich Blogs anderer Austauschschüler, spannende Links, Dinge, die ich mag und alles was mir sonst noch interessant erscheint!

Tansapia - Im wilden Herzen Afrikas
Das ist der Blog meiner Freundin Pia, deren Auslandsjahr in Tansania bereits begonnen hat - draufklicken lohnt sich ;)

ausgetauscht.de - Schüleraustausch verändert Lebenswege
Ein Forum für zukünftige und ehemalige Austauschschüler und solche, die gerade mittendrin sind

Abenteuer Alltag in Taiwan
Buchempfehlung! Ilke Schneider erzählt von ihrem Studium in Taiwan, gibt Einblicke in die Kultur und viele nützliche Tipps

昨天 oder Geschichte Taiwans

Hallo an alle!

Die 歷史  lìshǐ oder Geschichte der kleinen ostasiatischen Insel Taiwan ist nicht unbedingt etwas, dem in unserem Geschichtsunterricht eben viel Raum gewidmet wird (oder auch im Geografie-Unterricht, denn aus Erfahrung weiß ich jetzt, dass viele Leute nicht nur bei dem Gedanken ein Jahr nach Taiwan zu gehen ziemlich verwirrt wirken, sondern auch bei dem Versuch, dieses Land auf einer Karte zu finden ;) ). Natürlich könnte man einwerfen, dass es für Österreicher wichtiger ist die „eigene“ Geschichte bzw. die Geschichte ihres Landes zu kennen, als die irgendeiner Insel, die im Pazifischen Ozean herumschwimmt. Ich finde aber trotzdem, dass der Fokus ein bisschen zu sehr auf Europa gerichtet ist und andere Teile der Welt dadurch vernachlässigt werden. Noch dazu wurde Taiwan von vielen verschiedenen  Einflüssen geprägt und hat aus diesem Grund eine sehr wechselhafte und spannende Vergangenheit! Für alle, die sich dafür interessieren habe ich deshalb einen kleinen Artikel über die wichtigsten Ereignisse in einem Zeitraum von über  30 000 Jahren geschrieben. Viel Spaß damit!^^


Über die frühe Geschichte Taiwans ist nicht viel bekannt. Die ältesten menschlichen Spuren sind zwischen 20.000 und 30.000 Jahre alt. Damals lebten austronesische Volksgruppen auf der Insel (tatsächlich gehört Taiwan zu dem Entstehungsgebiet austronesischen Sprachen, die heute von rund 300 Millionen Menschen gesprochen werden). Um 3.000 v.Chr. erschien die neolithische Dapenkeng Kultur und breitete sich rasch aus. Es handelt sich dabei um die Vorfahren der indigenen Völker von Taiwan, die heute zirka 2% der Bevölkerung Taiwans ausmachen.

Ab dem 14. Jahrhundert kam es dann immer wieder zu chinesischen Auswanderungswellen vom Festland und die Eingeborenen wurden in die Berge verdrängt. 1544 betraten erstmals portugiesische Seefahrer Taiwan und gaben ihr den Namen "Ilha formosa", was "schöne Insel" bedeutet. 1603 errichteten die Holländer einen Stützpunkt für den Handel mit China. Ein anderer Teil der Insel wurde von den Spaniern kontrolliert. Die Holländer hatten großen Einfluss auf Taiwan. Sie führten ein Steuersystem ein und gründeten Schulen in denen die indigenen Sprachen mit einem romanisierten Schrift unterrichtet wurden. Diese Erneuerungen wurden von späteren Eroberern fortgeführt.

Der Untergang der Ming-Dynastie 1644 führte zu neuen Einwanderungswellen, bei denen Tausende Chinesen das Festland verließen und nach Taiwan kamen. In dieser Zeit lebte auch der Pirat Zhen Chenggong, dessen Vater engagiert wurde die Küsten des Königreiches gegen die einfallenden Mandschus zu verteidigen. (China hatte im 15. Jahrhundert beschlossen, sich nur noch nach innen zu richten, weshalb alle hochseefähigen Schiffe zerstört wurden und man schließlich zur Verteidigung auf Piraten zurückgreifen musste).  Er war dabei so erfolgreich, dass ihm der Kaisername Zhu verliehen wurde. Von da an nannte man Guoxingye (bedeutet so viel wie "Herr mit dem kaiserlichen Familiennamen") und in der europäisierten Version ist er heute als Coxinga bekannt. 1661 griff er die Holländer an und konnte diese tatsächlich bezwingen und vertreiben. Er errichtete das Königreich Dongning und heute gibt es einen Tempel in der Stadt Tainan ihm gewidmet ist.

Bald nach Coxingas Tod kam es jedoch 1682 zur Machtübernahme der von den Mandschus gegründeten Qing-Dynastie und Taiwan stand zum ersten Mal unter der Kontrolle des Festlandes. Unter den Qing wurde die "Zivilisierung" der indigenen Völker weitergeführt, besonders betroffen waren die Stämme in den flachen Gebieten, während die Ureinwohner in den Bergen von der chinesischen Herrschaft fast unberührt blieben. Außerdem wurden Konfuzianismus und Buddhismus eingeführt.

Als China im chinesisch-japanischen Krieg unterlag, gelangte Taiwan 1895 unter japanische Kontrolle. Auf der Insel regte sich aber Widerstand gegen die neuen Herrscher und so wurde der Versuch unternommen einen eigenen Staat zu gründen. Die Bevölkerung erklärte Taiwan zur ersten Republik in Asien, der "Demokratischen Nation Taiwan". Diese Qing-loyale Republik wurde allerdings schon nach 184 Tagen von den Japanern niedergeschlagen und Taiwan wurde schließlich zu einer japanischen Kolonie. Die Bevölkerung wurde gezwungen Japanisch zu lerne, außerdem brachte die neue Regierung auch die Bergstämme unter ihre Kontrolle. 1930 kam es zum Wushe-Zwischenfall, einem Aufstand des Stammes der Seediq, der blutig niedergeschlagen wurde. Während dem 2. Weltkrieg wurden Taiwanesen in die japanische Armee eingezogen und es kam zu Bombenangriffen auf die Insel.

Als eine Forderung der Alliierten wurde Taiwan mit der Kapitulation Japans im zweiten Weltkrieg wieder an die Republik China zurück gegeben. Die neu eingesetzte Verwaltung stellte sich allerdings als korrupt heraus und die wirtschaftlichen Verhältnisse verschlechterten sich. 1947 kam es zu Aufständen in Taiwan und die Bevölkerung schaffte es schließlich die Kontrolle zu gewinnen und selbst eine Verwaltung zu organisieren.

Als 1949 die Kommunisten unter der Führung Mao Zedongs am Festland, nachdem sie aus einem Bürgerkrieg mit den Guomingdang siegreich hervorgegangen waren, die Volksrepublik China ausriefen, flüchte Jiang Kaishek, der Anführer der Guomingdang zusammen mit 1,2 Millionen Anhängern nach Taiwan und errichtete dort eine Regierung. Erst 1986 konnte sich eine andere Partei gründen, nämlich die demokratische Fortschrittspartei. 1996 gab es dann zum ersten Mal Wahlen und der Präsident Li Denghui konnte sein Amt bis zum Jahr 2000 weiter ausüben. In diesem Jahr und auch im folgenden Wahljahr 2004 wurde Chen Shuibian ein Vertreter der demokratischen Fortschrittspartei gewählt. Ab 2008 stellte die Guomindang dann wieder den Präsidenten.

Zurzeit regiert Ma Yingjiu von der Guomindang.

(Quellen: http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Taiwans (5.2.2015), http://en.wikipedia.org/wiki/History_of_Taiwan (5.2.2015) "Zwischen Geistern und Gigabytes Abenteuer Alltag in Taiwan" von Ilka Schneider, 2014, S. 79-81; S. 26-28)