Freitag, 6. Februar 2015

昨天 oder Geschichte Taiwans

Hallo an alle!

Die 歷史  lìshǐ oder Geschichte der kleinen ostasiatischen Insel Taiwan ist nicht unbedingt etwas, dem in unserem Geschichtsunterricht eben viel Raum gewidmet wird (oder auch im Geografie-Unterricht, denn aus Erfahrung weiß ich jetzt, dass viele Leute nicht nur bei dem Gedanken ein Jahr nach Taiwan zu gehen ziemlich verwirrt wirken, sondern auch bei dem Versuch, dieses Land auf einer Karte zu finden ;) ). Natürlich könnte man einwerfen, dass es für Österreicher wichtiger ist die „eigene“ Geschichte bzw. die Geschichte ihres Landes zu kennen, als die irgendeiner Insel, die im Pazifischen Ozean herumschwimmt. Ich finde aber trotzdem, dass der Fokus ein bisschen zu sehr auf Europa gerichtet ist und andere Teile der Welt dadurch vernachlässigt werden. Noch dazu wurde Taiwan von vielen verschiedenen  Einflüssen geprägt und hat aus diesem Grund eine sehr wechselhafte und spannende Vergangenheit! Für alle, die sich dafür interessieren habe ich deshalb einen kleinen Artikel über die wichtigsten Ereignisse in einem Zeitraum von über  30 000 Jahren geschrieben. Viel Spaß damit!^^


Über die frühe Geschichte Taiwans ist nicht viel bekannt. Die ältesten menschlichen Spuren sind zwischen 20.000 und 30.000 Jahre alt. Damals lebten austronesische Volksgruppen auf der Insel (tatsächlich gehört Taiwan zu dem Entstehungsgebiet austronesischen Sprachen, die heute von rund 300 Millionen Menschen gesprochen werden). Um 3.000 v.Chr. erschien die neolithische Dapenkeng Kultur und breitete sich rasch aus. Es handelt sich dabei um die Vorfahren der indigenen Völker von Taiwan, die heute zirka 2% der Bevölkerung Taiwans ausmachen.

Ab dem 14. Jahrhundert kam es dann immer wieder zu chinesischen Auswanderungswellen vom Festland und die Eingeborenen wurden in die Berge verdrängt. 1544 betraten erstmals portugiesische Seefahrer Taiwan und gaben ihr den Namen "Ilha formosa", was "schöne Insel" bedeutet. 1603 errichteten die Holländer einen Stützpunkt für den Handel mit China. Ein anderer Teil der Insel wurde von den Spaniern kontrolliert. Die Holländer hatten großen Einfluss auf Taiwan. Sie führten ein Steuersystem ein und gründeten Schulen in denen die indigenen Sprachen mit einem romanisierten Schrift unterrichtet wurden. Diese Erneuerungen wurden von späteren Eroberern fortgeführt.

Der Untergang der Ming-Dynastie 1644 führte zu neuen Einwanderungswellen, bei denen Tausende Chinesen das Festland verließen und nach Taiwan kamen. In dieser Zeit lebte auch der Pirat Zhen Chenggong, dessen Vater engagiert wurde die Küsten des Königreiches gegen die einfallenden Mandschus zu verteidigen. (China hatte im 15. Jahrhundert beschlossen, sich nur noch nach innen zu richten, weshalb alle hochseefähigen Schiffe zerstört wurden und man schließlich zur Verteidigung auf Piraten zurückgreifen musste).  Er war dabei so erfolgreich, dass ihm der Kaisername Zhu verliehen wurde. Von da an nannte man Guoxingye (bedeutet so viel wie "Herr mit dem kaiserlichen Familiennamen") und in der europäisierten Version ist er heute als Coxinga bekannt. 1661 griff er die Holländer an und konnte diese tatsächlich bezwingen und vertreiben. Er errichtete das Königreich Dongning und heute gibt es einen Tempel in der Stadt Tainan ihm gewidmet ist.

Bald nach Coxingas Tod kam es jedoch 1682 zur Machtübernahme der von den Mandschus gegründeten Qing-Dynastie und Taiwan stand zum ersten Mal unter der Kontrolle des Festlandes. Unter den Qing wurde die "Zivilisierung" der indigenen Völker weitergeführt, besonders betroffen waren die Stämme in den flachen Gebieten, während die Ureinwohner in den Bergen von der chinesischen Herrschaft fast unberührt blieben. Außerdem wurden Konfuzianismus und Buddhismus eingeführt.

Als China im chinesisch-japanischen Krieg unterlag, gelangte Taiwan 1895 unter japanische Kontrolle. Auf der Insel regte sich aber Widerstand gegen die neuen Herrscher und so wurde der Versuch unternommen einen eigenen Staat zu gründen. Die Bevölkerung erklärte Taiwan zur ersten Republik in Asien, der "Demokratischen Nation Taiwan". Diese Qing-loyale Republik wurde allerdings schon nach 184 Tagen von den Japanern niedergeschlagen und Taiwan wurde schließlich zu einer japanischen Kolonie. Die Bevölkerung wurde gezwungen Japanisch zu lerne, außerdem brachte die neue Regierung auch die Bergstämme unter ihre Kontrolle. 1930 kam es zum Wushe-Zwischenfall, einem Aufstand des Stammes der Seediq, der blutig niedergeschlagen wurde. Während dem 2. Weltkrieg wurden Taiwanesen in die japanische Armee eingezogen und es kam zu Bombenangriffen auf die Insel.

Als eine Forderung der Alliierten wurde Taiwan mit der Kapitulation Japans im zweiten Weltkrieg wieder an die Republik China zurück gegeben. Die neu eingesetzte Verwaltung stellte sich allerdings als korrupt heraus und die wirtschaftlichen Verhältnisse verschlechterten sich. 1947 kam es zu Aufständen in Taiwan und die Bevölkerung schaffte es schließlich die Kontrolle zu gewinnen und selbst eine Verwaltung zu organisieren.

Als 1949 die Kommunisten unter der Führung Mao Zedongs am Festland, nachdem sie aus einem Bürgerkrieg mit den Guomingdang siegreich hervorgegangen waren, die Volksrepublik China ausriefen, flüchte Jiang Kaishek, der Anführer der Guomingdang zusammen mit 1,2 Millionen Anhängern nach Taiwan und errichtete dort eine Regierung. Erst 1986 konnte sich eine andere Partei gründen, nämlich die demokratische Fortschrittspartei. 1996 gab es dann zum ersten Mal Wahlen und der Präsident Li Denghui konnte sein Amt bis zum Jahr 2000 weiter ausüben. In diesem Jahr und auch im folgenden Wahljahr 2004 wurde Chen Shuibian ein Vertreter der demokratischen Fortschrittspartei gewählt. Ab 2008 stellte die Guomindang dann wieder den Präsidenten.

Zurzeit regiert Ma Yingjiu von der Guomindang.

(Quellen: http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Taiwans (5.2.2015), http://en.wikipedia.org/wiki/History_of_Taiwan (5.2.2015) "Zwischen Geistern und Gigabytes Abenteuer Alltag in Taiwan" von Ilka Schneider, 2014, S. 79-81; S. 26-28)

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